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  • Bild Titel: Impressionen von Kreta 2010
    Autor: ulla
    Verfasst am: 28.05.2010 14:59
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Probleme der gr. Wirtschaft

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Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 27.12.2008 21:45

Einige strukturelle Probleme der gr. Wirtschaft listete die NZZ am 11.12.08 auf:

Trotz 13 Jahren mit überdurchschnittlichem Wirtschaftswachstum und jahrzehntelanger Subvention aus Brüssel beträgt die Staatsverschuldung noch 92% des Bruttoinlandsprodukts. [Zum Vgl.: Deutschland 63%, EU 59%– H.] In den nächsten Jahren kommen stark steigende Pensionszahlungen auf den Staatshaushalt zu. Während für höhere Löhne und Sozialleistungen gestreikt wird, fordrt die amerikanische Botschaft 4 Mrd. $ für von den USA gelieferte Medikamente.

Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 21,4%, nur von Spanien mit 25% übertroffen. Nur über Beziehungen zu ND oder PASAK lasse sich eine Anstellung finden.

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Beitragvon alexos am 27.12.2008 22:05

ich meine das kommt durch die vetternwirtschaft, die ja bekanntlich in griechenland sehr hoch ist.

wie sagte alexis sorbaz in den gleichnamigen film? ich habe zwei hände, zwei beine und einen kopf. das reicht um eine anstellung zu finden, egal wie hoch die qualifikation ist. hauptsache du kennst die richtigen leute.
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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 15.03.2009 11:40

René Höltschi erklärt in der NZZ vom 26.02.09, „weshalb Griechenlands Schulden Deutschland etwas angehen“. Kurze Antwort: Weil Griechenland mit Italien die größte Staatsverschuldung hat und die anderen EU-Länder bei einem Staatsbankrott irgendwie helfen müssten.

Die Staatsschuld Griechenland steigt von 94% des BIP 2008 auf geschätzte 98,4% 2010, die Italiens von 105,7 auf 110,3%. Spanien und Irland haben davon nur ca. die Hälfte, aber bei einem viel rasanteren Anstieg, Österreich wird wegen seines Engagements in Osteuropa als gefährdet angesehen.

Die Gefährdung des gr. Staatshaushalts hat zur Folge, dass die Rendite für gr. Staatsanleihen dreimal so groß ist wie die deutsche. Wer also in Griechenland dem Staat für 10 Jahre Geld leiht, bekommt dreimal so viel Rendite wie in Deutschland (nämlich 300 Basispunkte = 3% mehr), aber bei sehr viel höherem Risiko der Staatspleite.

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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 20.10.2009 14:09

Während der vergangenen fünfeinhalb-jährigen Regierungszeit der ND soll der Staatsapparat um weitere 100.000 Bedienstete aufgebläht worden sein. Gleichzeitig sind die Kassen der Sozialversicherungen leer. (Amalia van Gent in der NZZ vom 05.10.09).

Die Staatsverschuldung Griechenlands wird auf ca. 270 Mrd. Euro geschätzt, die jährlichen Staatseinnahmen auf 65 Mrd. Euro. Für Zinsen werden 42 Mrd. ausgegeben, die verbleibenden 23 Mrd. reichen nicht einmal für die 25 Mrd. an Löhnen und Pensionen der Staatsangestellten (Amalia van Gent in der NZZ vom 03.10.09).

Ging man bisher von einem Haushaltsdefizit von 6 bis 7% aus (erlaubt sind in der EU 3%), so hat heute die neue Regierung 12% gemeldet. Jean-Claude Junker sagte verärgert, es könne überhaupt keinen Zahlen mehr getraut werden, die aus Griechenland gemeldet werden, die Geduld der EU sei zu Ende. Er plädierte für eine Stärkung von EUROSTAT, der statistischen Behörde der EU dahingehend, dass diese zu entsprechenden Kontrollen befugt werde. (Deutschlandfunk am 20.10.09).

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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 19.01.2010 18:49

EU besorgt über Griechenlands Defizit
Korrekte Statistiken verlangt - Eurostat soll kontrollieren können:

http://www.nzz.ch/nachrichten/internati ... 48524.html

hierzu auch:

http://www.nzz.ch/finanzen/webtv/impuls ... =1.4545965
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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 08.02.2010 17:06

Unfassbare Zahlen brachte der Tagesspiegel am 05.02.10:

Viele „Staatsdiener“ kassierten „durch Überstunden und Zulagen mehr als mit ihrem Grundgehalt; 14 Monatsgehälter sind die Regel“, Parlamentsdiener bekommen 16 Monatsgehälter. Viele gingen mit 50 in Pension. Ende 2009 gab es 833.888 Staatsangestellte = jeder 5. Lohn- und Gehaltsempfänger. In den letzten Jahren sind durchschnittlich 10.000 pro Jahr dazugekommen.

Übermorgen werden sie streiken…

Ob damit dem Staat wohl „gedient“ ist?

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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 10.02.2010 20:36

Papandreou erklärte heute in Paris, dass die beschlossenen Maßnahmen durchgezogen würden, d.h. dieses Jahr Reduktion des Defizits um 4% von 12,7 auf 8,7%.

Die Demonstranten erschienen heute weniger zahlreich auf den Straßen Athens als erwartet. Sie machten die Banken für die Krise verantwortlich, die dafür statt der Bevölkerung zu zahlen hätten.

Es wird erwartet, dass in den nächsten 24 Stunden die dt. und/oder frz. Regierung Hilfsmaßnahmen vorschlagen wird/werden.

Morgen streiken die Taxifahrer und am 24.02.10 noch mal alle, auch Privatbetriebe.

Q.: CNN


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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 12.02.2010 11:20

So gab es also gestern in Brüssel nur warme Worte für Papandreou und noch keine konkreten Hilfen, die ihm aber dennoch für den Fall eines Falles in Aussicht gestellt wurden. Allerdings hat er diese auch nicht verlangt. Sicher auch, um den durch die seit Kurzem bestehende Finanzaufsicht der EU über Griechenland und die damit verbundene eingeschränkte Souveränität angeknacksten Stolz der Griechen nicht noch weiter zu demütigen. Er verdient dafür Respekt, Griechenland aus eigener Kraft wieder aus dem Sumpf ziehen zu wollen. Dafür ist er aber auf die tatkräftige Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen, die in dieser Hinsicht aber – nicht überraschend – genau das Gegenteil signalisiert.

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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 12.02.2010 14:56

Schaut mal hier:

http://www.dradio.de/presseschau/

und lest "Die türkische Zeitung STAR empört sich über Waffengeschäfte..."

Das ist ja der Hammer! Für mich ändert das schlagartig die Lage dahingehend, dass meine Sympathien nun doch zu den Protesten der Bevölkerung wandern, solange so etwas möglich ist bzw. im Raum steht. Da brauchen sie wirklich nicht den berühmten Gürtel enger zu schnallen, wenn immer noch solche Summen für nichts und wieder nichts vorhanden sind. Wohlgemerkt, der Vertrag ist noch nicht abgeschlossen, soll erst noch abgeschlossen werden!

Mir fehlen fast die Worte, auch was das frz. bzw. das EU-Verhalten betrifft.

Übrigens kannte auch gestern die DLF-Presseschau fast nur das Thema GR. Wenn sie noch zu finden sein sollte, ist sie auch sehr nachlesenswert; allein schon in Hinblick darauf, welch weite internationale Wellen das Thema verursacht.

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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 14.02.2010 15:44

Das Rentenalter soll bis 2015 um durchschnittlich 2 Jahre heraufgesetzt werden, von jetzt durchschnittlich 61 Jahren.

Q.: NZZ v. 10.02.10

H.
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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Chania am 19.02.2010 23:41

Ein m. E. gelungenes Stück Polemik zur aktuellen Situation in Griechenland - aus dem Stern 8/2010 vom 18.02.2010:


Nach den Banken müssen die Deutschen jetzt wohl auch Griechen­land retten.
Erst haben sich die Hellenen in den Euro geschwindelt, jetzt streiken sie, statt zu sparen.

Ein Beschwerdebrief von Stern-Autor WALTER WÜLLENWEBER


(Foto von Demonstranten)
Letzte Woche traten griechische Beamte in den Ausstand, um ihre
Privilegien zu verteidigen, nächste Woche ist ein Generalstreik dran.


Liebe Griechen!

Kennt Ihr das bei Euch auch, eine Tante, die einem die ganze Kindheit und Jugend hindurch das Spar­schwein füttert? Beim ersten Fahrrad, dem ersten Radio, der ersten Urlaubsreise - immer gibt sie ein paar Scheine dazu. Und dafür verlangt sie nichts weiter als ab und zu mal ein freundliches Dankeschön. Liebe Freunde, dies ist ein Brief von Eurer Geldtante. Keine Angst, Ihr müsst nicht Danke sagen. Das Einzige, was wir uns wünschen, ist: Versetzt Euch mal in unsere Lage.
Seit 1981, seit 29 Jahren, gehören wir zur selben Familie, zur EU. Kein anderes Familienmitglied hat in dieser Zeit so viel Geld in die Gemeinschaftskasse gesteckt wie wir, näm­lich netto rund 200 Milliarden Euro. Und pro Nase hat kaum einer so viel bekommen wie Ihr, zusammen netto fast 100 Milliarden. Rund die Hälfte also von dem, was wir in den EU-Topf gekippt haben, habt Ihr mit großer Kelle abgeschöpft. Oder anders ausgedrückt: Rein rechnerisch haben wir Deut­schen mit den Jahren jedem von Euch Griechen, vom Säug­ling bis zum Greis, über 9000 Euro geschenkt. Einfach so. War doch nett, oder? Freiwillig hat wohl noch nie ein Volk ein anderes über einen so langen Zeitraum so großzügig unterstützt Ihr seid fürwahr unsere teuersten Freunde.
Wie es uns dabei ging, in all den Jahren, das habt Ihr nie gefragt. Ich vermute, auch heute brennt Ihr nicht gerade da­rauf, etwas über unsere Sorgen zu erfahren. Ich erzähle es Euch trotzdem: Unsere Straßen sind so löchrig wie antike Bauwerke, weil uns das Geld für die Instandhaltung fehlt. Bibliotheken und Schwimmbäder werden geschlossen. Man­che Städte schalten nachts jede zweite Straßenlaterne aus, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlen können. Im Gegensatz zu Euren steigen unsere Löhne seit der Einfüh­rung des Euros praktisch gar nicht mehr. Und jetzt sollen wir auch noch Euch Griechen retten. Die Sorgen um Euch, die haben uns gerade noch gefehlt.
Ihr habt Euch unser Misstrauen redlich verdient: Im Som­mer fackelt Ihr regelmäßig dieses schöne Land ab, das Gott Euch geschenkt hat Und dann ruft Ihr nach unserer Feuerwehr, weil Ihr es nicht allein gelöscht kriegt. Ihr wollt alle in den öffentlichen Dienst, aber keiner will Steuern zahlen. Wenn auch nur ein Teil der Berichte stimmt, die wir in den vergangenen Wochen lesen mussten, dann seid Ihr offenbar nur bereit zu arbeiten, wenn Ihr dafür Schmiergeld be­kommt. Vor allem Eure Ärzte und das Krankenhauspersonal langen kräftig zu. Ihr betrügt Euch also gegenseitig, wo Ihr nur könnt. Das kann uns egal sein. Doch Ihr betrügt auch uns. Seit vielen Jahren. Das ist uns nicht egal.
Ihr kassiert für mehr Olivenbäume EU-Subventionen, als in Euer Land passen. Offenbar versteht Ihr doch was von Buchführung, denn um die Stabilitätskriterien für den Euro zu erfüllen, habt Ihr Eure Bücher so systematisch und ge­schickt gefälscht, dass die Brüsseler nichts gemerkt haben. In Wahrheit habt Ihr den Euro nie verdient. Trotz Eurer er­schwindelten Daten ist es Euch seit der Einführung des Euro noch nie gelungen, die Stabilitätskriterien zu erfüllen. Um Eure Wirtschaft größer erscheinen zu lassen, habt Ihr Euch 2006 einen hübschen Taschenspielertrick einfallen lassen und kurzerhand die Erlöse aus Geldwäsche, Rauschgifthan­del und Schmuggel in die jährliche Wirtschaftsleistung Eurer stolzen Nation eingerechnet.
Über Jahrzehnte mehr Geld ausgeben, als man sich er­arbeitet, wie selbstverständlich auf Kosten von anderen zu leben, laufend betrügen und tricksen - das kann nicht ewig gut gehen. Irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen. Irgendwann ist jetzt. Streng genommen seid Ihr pleite.
Macht Euch keine Illusionen. Wenn Angela Merkel ver­spricht, „Griechenland wird nicht allein gelassen", dann geht es unserer Kanzlerin und uns Deutschen nicht mehr um Euch Griechen. Unsere Sorge gilt allein unserer eigenen Zu­kunft Das Unglück ist nur: Wir sind an Euch gekettet. Wenn Ihr untergeht, zieht Ihr uns mit unter Wasser. Zum Beispiel durch die 300 Milliarden Schulden, die Ihr mit den Jahren aufgetürmt habt. Rund 30 Milliarden davon gehören den Spa­rern bei deutschen Banken, in Form von Staatsanleihen. Ob Ihr das jemals zurückzahlen werdet? Euretwegen geht der Euro in die Knie. Uns droht die Inflation. Das bedeutet: was deutsche Sparer auf dem Sparbuch oder in Lebensversiche­rungen für die Zukunft zurückgelegt haben, wird immer we­niger wert. Wegen Euch. Solche Gedanken sind Euch natür­lich fremd, denn sparen oder investieren ist nicht Euer Ding. Ihr haut die Euros lieber raus. In der EU seid Ihr Griechen das Volk, das von seinem Geld den größten Anteil für den Konsum verprasst.
Die Regierungschefs der EU haben zwar beschlossen, dass Ihr keine direkten Finanzhilfen bekommen sollt. Erst mal. Doch Ihr braucht Hilfe. Und in der EU bedeu­tet Hilfe am Ende immer Geld, genauer: unser Geld.
So langsam wird uns Deutschen klar: Zuerst mussten wir die Banken retten, jetzt müssen wir Euch Griechen retten und schließlich alle Länder mit einer Schweinewirtschaft -die „PIIGS", Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien. Ein Staatsbankrott eines dieser Länder, darin sind sich die Experten ausnahmsweise einig, wäre eine Tragödie, die selbst die Bankenkrise wie ein Lustspiel erscheinen ließe.
Kluge deutsche Staatsrechtler haben schon vor der Einfüh­rung des Euro gewarnt: Die Wirtschaftsunion kann ohne die politische Union nicht funktionieren. Sie hatten recht. Jetzt erkennen wir das dramatische Demokratie-Defizit. Wir Deut­schen sind von den Entscheidungen der Regierung Griechen­lands abhängig. Aber wir können sie nicht wählen. Ihr Grie­chen könnt sie wählen, aber Ihr habt ganz andere Interessen. Wir wollen, dass Euer Ministerpräsident Georgios Papan­dreou sein Sparprogramm durchzieht. Mindestens. Besser wär's, wenn er beim Reformieren noch einen Zahn zulegte. Aber Ihr wollt das ganz offensichtlich nicht. Ihr macht, was Ihr immer macht: Ihr streikt. Letzte Woche der öffentliche Dienst, nächste Woche alle, Generalstreik. Liebe, teure Grie­chen, wenn Ihr nächste Woche auf die Straße geht, dann streikt, dann demonstriert, dann protestiert Ihr nicht gegen Eure Regierung, sondern gegen uns. Dem Zorro, der Euch stets gerettet hat und weiter retten soll, dem versetzt Ihr einen Tritt zwischen die Knie.
Liebe griechische Finanzbeamte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern treibt endlich mal die Steuern Eurer Millionäre ein, von denen Ihr bislang fürs Wegschauen so fürstlich entlohnt werdet.
Liebe griechische Ärzte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern behandelt Eure Patienten. Von jetzt an, ohne vorher um einen Geldumschlag zu bitten. Und dann versteuert einfach Euer Einkommen. Ja, dann könnt Ihr Euch den nächsten Porsche erst ein Jahr später bestellen. Ihr wer­det es überleben.
Liebe Rentner Griechenlands, wenn bei uns jemand sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bekommt er nicht mal 40 Prozent seines durchschnittlichen Einkommens als Rente. Damit sind wir auf dem viertletzten Platz der OECD-Länder. Und wer ist auf Platz eins? Richtig: Ihr. Über 95 Prozent Eures durchschnittlichen Einkommens gönnt Ihr Euch als Rente. Um das hinzukriegen, greift Ihr wieder in die Trick­kiste: Ihr bezieht einfach die Rentenhöhe nicht aufs ganze Leben, sondern nur auf die letzten drei bis fünf Arbeitsjahre. Darum ist es bei Euch üblich, dass der Arbeitgeber den Lohn am Ende noch mal kräftig erhöht Von dem Geld, mit dem wir Euch fast 30 Jahre lang gesponsert haben, gönnt Ihr Euch eine komfortablere Altersversorgung, als wir uns leis­ten können. Findet Ihr das gerecht? Also, liebe Rentner in Griechenland: Ihr seid die Generation, die diese Misere verursacht hat. Jetzt haltet mal die Füße still, geht nicht demonstrieren, und lasst Eure Regierung die Sparpläne durchziehen.
Und, liebe Bürger Griechenlands, redet Euch nicht damit heraus, Eure Politiker seien allein schuld an der Katas­trophe. Ihr habt doch die Demokratie erfunden und solltet wissen, dass Ihr, das Volk, regiert und damit verant­wortlich seid. Niemand zwingt Euch, Steuern zu hinterzie­hen, Schmiergelder anzunehmen, gegen jede vernünftige Politik zu streiken und korrupte Politiker zu wählen. Politi­ker sind Populisten. Die machen genau, was Ihr wollt.
Sicher werdet Ihr jetzt einwenden: Ihr Deutschen, Ihr seid doch auch nicht viel besser. Stimmt. Ein Rentensystem, dem kaum einer noch traut, Beamtenpensionen, von denen nie­mand weiß, wie sie in der Zukunft bezahlt werden sollen, ein Steuersystem, das so aussieht, als hätten erfahrene Hinterzie­her es sich ausgedacht, und vor allem ein Schuldenberg, der irgendwann ins Rutschen gerät und alles unter sich begräbt -genau diese Probleme haben wir auch. Und Ihr seid uns auf diesem Pfad der Untugend nicht so weit voraus, wie viele glauben.
Früher habt Ihr Griechen uns den Weg gewiesen, habt der Welt die Demokratie, die Philosophie und das erste Verständ­nis für Nationalökonomie beigebracht. Jetzt weist Ihr uns wieder den Weg. Nur ist es diesmal der Irrweg. Da, wo Ihr seid, geht's nicht weiter.

Herzliche Grüße,

Walter Wüllenweber

PS: Meldet Euch doch mal! Über eine Antwort würden wir uns freuen.


(Foto von älteren Herren auf Parkbänken)
Griechische Rentner genießen den Lebensabend. Sie bekommen
95 Prozent ihres Durchschnittslohns, Deutsche nur knapp 40 Prozent.
Schöne Grüße

Chania
http://www.an-kreta.de/
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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon alexos am 20.02.2010 08:52

Gut geschrieben vom Stern, gefällt mir.

Habe zwar keine Ahnung ob das jetzt hier her passt, denke mal schon.
Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Probleme werden bis Ende Juni über eine Million Griechen keine Arbeit finden.
Ein Hoteldirektor teilte mir dies vor ein paar Tagen mit und meinte das davon rund 50% den Tourismus betrifft.
In der Rethymnoner Arkadiou sollen dieses jahr viel mehr Geschäfte zur Vermietung oder zum Verkauf stehen als die letzten jahre davor.

LG
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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 20.02.2010 17:44

Ich hoffe, dass der Stern-Artikel (danke, Chania!), es auch in die gr. Medien schafft und in GR eine Diskussion auslöst, besser: innerhalb der Diskussion eine neue Betrachtungsweise und entsprechende Einsicht und Selbstkritik bewirkt. Das wäre extrem wichtig.

Zum Vergleich Griechenlands mit Kalifornien siehe:

http://boersenradar.t-online.de//Aktuel ... 33026.html

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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Holgerios am 23.02.2010 09:39

Die Sendung Fakt der ARD (MDR) brachte gestern auch einen Griechenland-Bericht, der wieder viele neue, schlimme Zahlen zur gr. Verschuldung enthielt. Er war wirklich 'aufregend', also nicht einfach der nächste x-beliebige Beitrag zum Thema.

Sollte dieser Download nicht direkt funktionieren: http://www.mdr.de/DL/7112315.PDF

dann gehts bestimmt von hier aus: http://www.mdr.de/fakt/7112315.html

Wenn man nur etwas in die Zukunft schauen könnte, wieweit man sich nun Sorgen um den Euro machen muss oder nicht...


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Re: Probleme der gr. Wirtschaft

Beitragvon Pilion am 24.02.2010 10:23

Das traurige an der ganzen Geschichte ist doch , daß der Stern-Artikel von W.W. zum einen nur leicht überzeichnet ist und zum weiteren hier in Griechenland eine zwar für die Griechen typische aber total kontraproduktive Reaktion von verstärkter Deutschlandfeindlichkeit erzeugt hat.
Von übergreifender Einsicht ist hier keinenfalls die Rede !
Mit sehr grossem Nachhall in der breiten Öffentlichkeit wird z.B. gerade , speziell von rechtspopulären Politikern,wieder einmal das alte und leidige Problem der WK-II Reparationszahlungen aus der eh nie abgeschlossenen Schublade gezogen und ein recht beliebter Witz ist :
"Haste schon gehört , die Deutschen wollen uns aus der Wirtschaftsmisere retten !
Alles schön und gut , aber wer rettet uns dann von den Deutschen ?? "
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